Kita- & Schulfrei leben

„Schule ist das Exil in dem der Erwachsene das Kind so lange hält

bis es gelernt hat in der Erwachsenenwelt zu leben ohne zu stören“.

Maria Montessori

Natürlich lernen – unschooling – Freilerner – Leben ohne Institution – frei sich bilden

Natürliches Lernen wird seit Anbeginn der Menschheit praktisch vollzogen, und seit den 1990er Jahren beschäftigt sich auch die Neurobiologie mit dieser Bildungsform und ihren Wirkungen.

Natürliches Lernen ist selbst initiiertes, selbst gesteuertes und bedürfniszentriertes Lernen, das in Begegnungen und Erfahrungen wurzelt und in direktem Bezug zum persönlichen Erleben steht. Damit einhergehende Lernprozesse sind sehr individuell, effektiv und nachhaltig und oftmals mit Begeisterung verbunden.

Lernen ist ein menschliches Grundbedürfnis, das Kinder von Geburt an verfolgen. Auf natürliche Art lernen sie in ihren ersten Lebensjahren eigenständig und mit Begeisterung laufen, sprechen und noch vieles mehr, ja sie fangen sogar einfach an, mit Buchstaben und Zahlen umzugehen, ohne dass man sie dazu erst überreden oder gar zwingen müsste. Diese Freude und Eigenständigkeit und dieses Interesse am Lernen kann zeitlebens erhalten bleiben.

Voraussetzungen dafür sind, dass das Lernen in einer frei gewählten, anregenden, gewaltfreien, und unterstützenden Umgebung stattfinden kann, und dass es begleitet wird von Bezugspersonen mit einem grundlegenden Vertrauen in die natürliche Selbstverständlichkeit des Entwicklungsprozesses.

Freilerner ist eine Entlehnung des englischen Begriffes Unschooling, den John Holt geprägt hat. Freilerner sind Menschen, die sich von zu Hause aus frei und in eigener Verantwortung bilden. Das heißt, frei lernende Kinder werden nicht zu Hause nach Lehrplan unterrichtet. Sie sind also keine Homeschooler, sondern sie folgen ihrem eigenen inneren Curriculum.

Sie haben Eltern, die auf ihre natürliche Entwicklung vertrauen und davon ausgehen, dass ihre Kinder lernen werden, was für sie und ihr individuelles Leben wichtig und von Bedeutung ist. Freilernen bedeutet, seine eigenen Talente zu ergründen und zu Fertigkeiten auszubauen.

Gelernt wird, was gebraucht wird, aktuell oder langfristig von Interesse ist. Freilerner lernen im täglichen Leben, im eigenen Tun, in der Begegnung mit anderen Menschen, in Gesprächen. Sie eignen sich Wissen über verschiedene Medien (z. B. Bücher), Aktivitäten (z. B. Fußballspielen) und Veranstaltungen (z. B. Theaterbesuch) an. Sie schöpfen aus dem unbegrenzten Lernspektrum, dass das Leben und die Welt ihnen bietet.

Geistes- und naturwissenschaftlich betrachtet lernt der Mensch immer, überall und zu jeder Zeit. Lernen ist nicht immer an ein sichtbares Tun gebunden. Jede Handlung ist ein Lernprozess, der den Menschen in der Spezialisierung seiner Fertigkeiten ein Stück weiterbringt.

Kinder, die aus einer Bildungsinstitution (z. B. Kindergarten) in das freie Lernen wechseln, durchlaufen oft einen Prozess, der Entschulung genannt wird. Diese Phase äußert sich oft in Verhaltensweisen, die nicht auf den ersten Blick einen Lernprozess offenbaren.

Jeder Mensch hat das natürliche Bestreben nach Weiterentwicklung, daher wird auch ein frei lernendes Kind, wenn es (wieder) bereit dazu ist und seinen Weg gefunden hat, (für andere eindeutig sichtbare) Lernaktivitäten in Angriff nehmen. Wichtig sind dabei Bezugspersonen mit einer guten Beobachtungsgabe, die dem Freilerner unterstützend zur Seite stehen können. (Bundesverband „Natürlich Lernen e.V.“)

Naturpädagogik im deutschen Bildungssystem – Naturbildung ist selten möglich

Seit fast 10 Jahren bildet Blattwerk Naturpädagogen aus und arbeitet mit vielen Schulen und Kitas zusammen. Wir erleben viele ambitionierte Pädagogen, die sehr gern in der Kita oder Schule naturpädagogisch arbeiten möchten. Leider ist dies nur bedingt möglich. Zu viele Steine liegen im Weg auf dem Weg in die Natur.

Starre Strukturen, enge Lehrpläne, zu wenig Personal, wenig Zeit zum freien Spiel und weite Wege raus in Wald und Wiesen, hindern Kinder und Pädagogen hinaus in die natürliche Welt zu gehen. Natur wird vorrangig aus Lehrbüchern, Filmen und am Computer vermittelt. Kinder leben heute zum Großteil in einer von Erwachsenen gestalteten Welt aus (Schul)Räumen, Straßen und Städten. Die Naturentfremdung nimmt Jahr für Jahr zu.

„Die elementare Naturerfahrung geht der Naturwissenschaft voraus“ lautet einer der Grundsätze von Blattwerk. Wir wünschen uns für Kinder und Pädagogen ein Bildungssystem, was die Freiheit als oberstes Gebot sieht. Blattwerk setzt sich dafür ein Kita und Schule zum Wohle der Kinder, Familien und Pädagogen zu gestalten. Jede Familie und jedes Kind hat eine andere Geschichte und ein individuelles Leben und lässt sich nicht pauschal in ein Bildungssystem zwingen.

(Natur)Pädagogen können nur angemessen arbeiten, wenn die Freiheit des Kindes und genügend Zeit und Ruhe für Naturerfahrung da ist.

Eine (Wald)Kita oder Freie (Natur)Schule mit Zeiteinteilung durch die Familien abseits der 5 Tage Woche und Ferienzeiten ist sicherlich ein gemeinschaftlicher Rahmen, der dem natürlichen Wesen des Menschen entspricht und kann eine Alternative bzw. Ergänzung zum unschooling sein.

Bildungsfreiheit statt Schulzwang

Das Recht auf Bildung wird in Deutschland einzig und allein auf den Anwesenheitszwang in einer staatlich anerkannten Schule reduziert.

Bildungsangebote, die auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder abzielen, werden dagegen behindert, unterdrückt und die Anerkennung versagt. Dazu zählen neben vielen freien alternativen Schulkonzepten auch das freie selbst bestimmte Lernen in Familieninitiative, auch Homeschooling oder Home-Education genannt.

Es sind sehr vielfältige Gründe, die Kinder oder ihre Eltern bewegen, den Lernort aus der öffentlichen Schule nach Hause zu verlegen.  Die Anerkennung, die diese freie Art des Lernens in anderen EU Ländern längst gefunden hat, steht in Deutschland bislang noch aus.

Laut § 1666 BGB ist eine Schulverweigerung keine Kindeswohlgefährdung – und da hat das Gesetz vollkommen recht. Eine gerichtliche Durchsetzung der Schulpflicht wird dort nur festgeschrieben, wenn die Eltern „nicht gewillt oder nicht in der Lage“ sind, Gefahr für das Kind abzuwehren.

Prof. Hannelore Häbel stellt fest: „Das Ziel der Erziehung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit‘ (§ 1 Abs. 1 SGB VIII) kann nur durch partizipative, hierarchiefreie Pädagogik realisiert werden, die ohne Zwang zur Unterordnung und Unterwerfung auskommt.“

Dieser Wandel in der Wahrnehmung der jungen Menschen und ihres Rechts auf selbst bestimmte Bildung passt auch zu dem durch die Einführung des absoluten Gewaltverbotes in der Erziehung mit § 1631 Abs. 2 BGB stattgefundenen Paradigmenwechsel hin zu einer umfassenden Ächtung der Gewalt in der Erziehung.

Blattwerk möchte den vielen Netzwerken danken, die sich stark machen für freie Bildung und mündige Eltern und Kinder in Deutschland. Wir unterstützen das Netzwerk Bildungsfreiheit, den Bundesverband Natürlich Lernen, die Freilerner Solidargemeinschaft, den Septré e.V. und die Schulfrei Bewegung im Geiste und im Handeln.

Der Freilerner Kompass bietet viele Informationen rund um Kita- und Schulfreies Leben in Deutschland.

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Familiencamp Natürlich lernen 2017